Fracht von Binnenschiffen
Es gibt fast nichts, was man nicht mit einem Binnenschiff transportieren kann und sehr viel, was man weder mit einem LKW oder der Eisenbahn, sondern nur auf einem Binnenschiff transportieren kann. Sie finden hier einige Beispiele, was mit dem Binnenschiff transportiert wird.
Frachtschiffe
Frachtschiffe sind zahlenmäßig in der Binnenschiffahrt stärker als jeder andere Schiffstyp verbreitet. In der Binnenschiffahrt werden Frachter als Gütermotorschiff, Motorfrachtschiff oder Frachtmotorschiff bezeichnet. In den Laderäumen, die je nach Länge des Schiffs in mehrere verschiedene Abteilungen eingeteilt sind, können Massengüter (Schüttgüter) oder andere Produkte, die in den Frachtraum passen, transportiert werden.
Die Frachträume sind entweder einteilig oder mehrteilig (meistens zweiteilig) und beginnen hinter der vorderen Wohnung und enden vor dem Ruderhaus. Abteilungen sind Markierungen an den Wänden der Frachträume, die in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden. Diese Markierungen dienen, das Schiff gleichmäßig zu beladen bzw. die Ladung so zu verteilen, daß das Schiff im Trimm liegt. Bei zweiteiligen Frachträumen gibt es ein Schott zwischen den beiden Frachträumen.
Frachter, die empfindliche Ladung tranportieren, die nicht feucht oder staubig werden darf, fahren mit verschlossenem Laderaum, wie auf dem Foto oben von der BELLA VISTA zu sehen ist. Das Rollfach kann den gesamten Laderaum oder auch nur beliebige Teile des Laderaums vor der Witterung schützen.
Schüttgüter sind beispielsweise Sand, Kies, Kohle, Getreide, Gips und Zement. Unempfindliche Schuttgüter wie Steine und Kraftwerkskohle werden wie au dem Foto der PANDUR mit offenen Laderäumen gefahren. Sand zieht mehr Feuchtigkeit und Wasser an, als Steine und kann bei schlechter Witterung auch mit geschlossenem Laderaum transportiert werden. Getreide, Gips und Zement werden mit geschlossenen Frachträumen befördert. Gips und Zement müssen möglichst trocken befördert werden, deshalb werden diese Güter auch mit speziellen Schiffen befördert, deren Laderäume besonders dicht sind.
Bei Motorfrachtschiffe, die ständig dieselbe Ladung fahren und keinen gedeckten Laderaum benötigen, haben meistens auch kein Rollfach zum Abdecken, beispielsweise Kiesfrachter. Andere Schiffe transportieren wechselweise verschiedene Güter. Nach dem Entladen und vor dem Beladen werden die Frachträume gereinigt. Das ist eine mühsame und zeitraubende Arbeit, die oft noch vor der Abfahrt beginnt und auf der Fahrt weitergeführt wird. Die Frachträume werden mit Wasser abgespritzt und mit Besen geschrubbt. Beim Entladen von Kohle staubt es enorm, der Schmutz dringt meistens auch in Wohnungen und andere Innenräume ein. Auch Sand, Gips und Zement hinterlassen überall ihre Spuren. Wer auf der Hinfahrt solche Produkte geladen hatte und auf der Rückreise z.B. Rübenschnitzel laden muss, reinigt den Frachtraum natürlich, bevor die neue Ladung aufgenommen wird.
Die IDUNA, ein Gütermotorschiff mit zwei Frachträumen.
Schubverband ANDREA und ANDREA 2. Im September 2006 transportierten Schiff und Leichter schwere Maschinenteile, hier bei einer Fahrpause am Rhein-Herne-Kanal bei Castrop-Rauxel.
Die KIESFRACHT im Koppelverband von der PLOCHINGEN geschoben. Mit einer Ladung, die man bei dem Namen des Schiffs nicht vermutet: Schrott. 2004 und 2005 fuhren die beiden Schiffe oft Schrott von Norddeutschland zu einem Stahlwerk am Mittelrhein. Hier am 27.2.2005 in der Schleuse Wanne-Eickel.
FIDUCIA mit Drahtrollen im Laderaum auf der Fahrt zum Rhein. Hier am 23.4.2005 in der Ruhrschleuse Duisburg.

DIANE mit einem Leichter am 3.1.2008 beim Verlassen des Dortmunder Hafens. Der Verband hat Baumstämme geladen.
Schubboote, Schubverbände und Leichter
Schubboote schieben einen oder mehrere vorgespannte Leichter, in denen die Ladung transportiert wird. Große Streckenschubboote wie HERKULES VII werden auf dem Rhein für den Transport von Erzen und Rohrstoffen für die Hüttenindustrie eingesetzt.
Die Streckenschubbboote, die Transporte über weite Strecken durchführen, verfügen über besonders leistungsfähige Maschinen und fahren Tag und Nacht ununterbrochen durch. Je nach Leistung können sie einen bis sechs Leichter schieben und bis ca. 15000 Tonnen Ladung fortbewegen.
Die breiten Schubverbände sind nur auf dem Rhein (und anderen breiten Flüssen und Kanälen) anzutreffen. Für Reisen auf den Kanälen im Ruhrgebiet sind die zu breit. Die HERKULES Schubboote transportieren Rohstoffe von den Nordseehäfen zu den Duisburger Stahlwerken.
Zeit ist Geld. Deshalb packen die großen Streckenschubboote die Leichter vor den Häfen der Stahlwerke auf dem Rhein ab. Kleine Hafenschubboote schieben anschließend die Leichter zum Entladen in die Hafenbecken und stellen die leeren Leichter zu neuen Verbänden zusammen, die dann wieder von den Streckenschubbooten aufgepackt werden.
Schubbboot LEHNKERING 12 im Mai 2008 auf dem Rhein an der Autobahnbrücke der A 40 beim Aufpacken eines Leichters. Die LEHNKERING 12 und ihre Schwesterschiffe transportieren Leichter im Bereich der Duisburger Häfen.
Schwertransporte und Transporte mit Überbreite können oft weder mit Spezial LKW noch mit der Eisenbahn über lange Strecken durchgeführt werden. In anderen Fällen werden die übergroßen und schweren Gütern mit Schwerlastfahrzeugen oder Eisenbahnen zum nächsten Hafen transportiert.
Im Februar 2004 waren das polnische Schubboot BIZON O 111 und einige Schwesterboote mit je zwei Leichtern auf dem Rhein-Herne-Kanal beim Transport dieser Kessel zu sehen.
Schubverbände können auch aus einem Motorschiff mit Frachtraum und einem antriebslosen Leichter bestehen. Tankschubverbände sind noch recht selten anzutreffen. Hier die VIKTORIA JAEGERS mit einem Tankleichter im September 2004 auf dem Rhein bei Düsseldorf. Dahinter das Containermotorschiff TALING.
Die Schiffe und Boote der Wasser- und Schiffahrtsämter transportieren meistens Geräte, Baumaschinen und Baumaterial. Hier transportiert das Schubboot EDISON (hinten, noch halb vom Rammbalken der Schleuse verdeckt) im Mai 2005 zwei neu gebaute Prähme und weil im vorderen Prahm noch Platz war, einige Schwimmanleger.
Containerschiffe
Containerschiffe transportieren ausschließlich Container. Rhein-See-Schiffe und Küstenmotorschiffe wie die PRIDE OF VEERE befördern Container von den Küstenhäfen und auch von englischen Häfen über den Kanal bis zu den Rheinhäfen, die für Schiffe dieser Größe erreichbar sind. Beispielsweise zum Duisburger Containerterminal in Ruhrort.
Container wurden in den USA erfunden, fanden seit den 1960er Jahren immer weitere Verbreitung und der Transport von Containern nimmt ständig zu. Container mit genormten Größen, können auf dem Überseeschiff, Küstenmotorschiff, Binnenschiff, auf dem LKW und Eisenbahnwaggeons befördert werden. Geschlossene Container enthalten Waren und Produkte aller Art, Computer, Gemüse, Textilien, Autos, Maschinenteile – in einem Container kann man alles transportieren. Für den Transport von Flüssigkeiten gibt es spezielle Tankcontainer. Der Rahmen hat die Maße des geschlossenen Containers und schütze den darin montierten Tank.
Auf dem Rhein verkehren Schiffe wie die AARBURG und transportieren Container von den Nordseehäfen zu den Rheinhäfen und bis in die Schweiz. Die Containerschiffe wurden in den letzten jahren immer größer und breiter, die Ladekapazität immer höher. Container werden in mehreren Lagen übereinander befördert. Die maximale Grenze für die Höhe setzen die Stabiltät des Schiffes und die Höhe der Rheinbrücken.
Das Gütermotorschiff WANTIJ mit Containern bei einer Fahrpause auf dem Rhein-Herne-Kanal an der Schleuse Gelsenkirchen.
Auf den Kanälen des Ruhrgebiets können Schiffe wie die PRIDE OF VEERE und die modernsten und größten Containerschiffe der JOWI-Klasse nicht fahren, diese Schiffe sind breiter, als die Kanalschleusen. Die niedrigen Brücken an den Kanälen erlauben auch nur zwei Lagen Container übereinander. Deshalb ist der Containertransport auf den Kanälen eingeschränkt und relativ teuer. Jedes Frachtschiff und Gütermotorschiff kann auch Container befördern, die einfach in den laderaum abgesetzt werden. Diese Transporte sind aber relativ selten.
Jubelberichte der Presse über den zunehmenden Containerumschlag in Häfen sind deshalb auch mit Vorsicht zu genießen. Die Binnenschifffahrt hat oft keinen Anteil am steigenden Containerumschlag in Kanalhäfen. Oder nur indirekt als Zulieferer bis zum nächsten großen Hafen.
In Herne Wanne-Eickel wurde vor einigen Jahren das Hafenbecken am Westhafen verfüllt. Heute befindet sich dort ein modernes Logistikzentrum mit Schwerpunkt Containerumschlag. Die Container werden ausschließlich von LKW zu LKW umgeladen und von dort nach Hamburg, Rotterdam und in andere Gegenden per LKW transportiert.
Im Dortmunder Hafen wurde der Containerumschlag in den Jahren 2007 bis 2009 ebenfalls erhöht und neue Flächen für den Containerumschlag bereit gestellt. Auch hier handelt es sich meistens um eine Verladung der Container von LKW zu LKW oder vom LKW zur Bahn. In den Statistiken wird das als anwachsender Containerumschlag vermerkt, aber steigender Umschlag von Gütern oder Containern in einem Hafen bedeutet eben nicht, daß es auch ein Wachstum für die Binnenschiffahrt gibt. In vielen Häfen des Ruhrgebiets lagern auch Produkte, die ausschließlich per LKW oder Eisenbahn weiter transportiert werden.
Tanker
Tankmotorschiff STOLT SOMTRANS in der Ruhrschleuse Duisburg-Meiderich
Tanker? Sie denken dabei an Öl und Benzin`und nichts anderes? Das ist richtig und nicht ganz falsch. Motortankschiffe transportieren Flüssigkeiten aller Art sowie Gase bzw. Flüssiggase. Und manchmal auch Produkte, die alles andere als flüssig sind. Der Transport von Öl, Erdölrohstoffen und Erdöldestillaten und Bezin macht zwar einen erheblichen Teil dessen aus, was Tanker befördern, mit Tankschiffen werden jedoch auch ganz andere Produkte und Rohstoffe befördert.
Auf dem Rhein verkehren Tankmotorschiffe, die Planzenöle, Rohstoffe für Margarine, befördern. Es gibt Spezialschiffe, die wie der EUROBIBO Zuckertanker sind und weil Wein auch eine Flüssigkeit ist wurden sogar Weintanker entwickelt.
Auf den Kanälen im Ruhrgebiet werden Ihnen solche Spezialschiffe für den Lebensmitteltransport kaum begegnen. Tanker, die hier unterwegs sind transportieren Öl und Treibstoffe zum VEBA Ölhafen in Gelsenkirchen, Treibstoffe, Flugbenzin und andere Erdöldestillate vom und zum Stadthafen Gelsenkrichen, Öle und Benzine zum Dortmunder Petroleumhafen, oder auch Säuren nach Oberhausen. Außerdem gibt es einige Tanker, die speziell für den Transport einer besonderen Ladung gebaut wurden.
JULIUS RUETGERS, eins der modernsten Tankschiffe der Ruetgers Reederei. Das Schiff transportiert heiße Ladung von den chemischen Werken in Castrop-Rauxel zur Verarbeitung. Von der Verladung bis zur Verarbeitung darf die Temperatur der Chemikalien nicht abfallen und muß in beheiztenTanks bei ca. 200° C befördert werden – eine Aufgabe, die mit einem LKW oder mit der Bahn fast unmöglich ist.
Tankmotorschiff MIRAME
Tankmotorschiff Holger Gerhardt
Für den Transport gefährlicher Güter, die die Umwelt schädigen können, werden inzwischen moderne Doppelhüllenschiffe gebaut, die in verschiedene Klassen eingeteilt sind. Die Klassen richten sich danach, was transportiert und wie gefährlich der transportierte Stoff sein kann. Beim Einhüllenschiff umgibt nur der Stahlrumpf den Tank. Beim Doppelhüllenschiff hat der Tank eine zweiten Stahlmantel, der bei Kollosionen verhindern soll, daß der Tank sofort leck schlagen kann.
Beispiele für feste und nicht flüssige Ladung, die der Laie eher an Bord einer Frachtschiffes vermuten würde, hatten wir schon oben: Zucker, Gips, Kalk, Zement. Solche und andere Produkte, die trocken bleiben müssen, werden auch in Tanks befördert. Merkmal von Frachtern, die Gips, Zement und andere trockene Ladung befördern ist oft ein flaches Deck mit runden “Kuppeln”, den Luken zum Befüllen der Trockentanks.
Für den Transport fester Stoffe werden auch Frachtschiffe umgebaut. Das Foto oben zeigt die MICHAEL, ein Frachtmotorschiff, in dessen Laderaum besondere Trockentanks eingebaut wurden. Als ich Schiff und Schiffsführer im Mai 2006 an der Schleuse Hünxe traf, gab es ein paar Verständigungsprobleme, weil er einen niederländischen Dialekt sprach, den ich kaum verstehen konnte, er mein Niederländisch so wenig wie Deutsch verstand und auf englisch klappte die Verständigung auch nicht. Er sagte, sein Schiff würde Ammoniak befördern. Die Beförderung reinen Ammoniaks dürfte in den Tanks nicht möglich sein, gemeint waren wohl Düngemittel, die Amoniak enthalten.
ORIENT, auch ein Frachter, der zum Tanker umgebaut wurde.
David neben Goliath: das kleine Tankschiff CHRISTOPH am 17.7.2004 neben dem großen und modernen Tanker STOLT MADRID. Die Modernisierung der Schiffe und der Bau immer größerere Schiffe ist ein Fortschritt, der auch seine Schattenseiten hat. Bei den großen, modernen Schiffen, werden alle Prozesse vom Computer überwacht, das menschliche Versagen soll damit ausgeschaltet werden. Wenn die moderne Technik ausfällt, bleibt oft nur noch das menschliche Eingreifen übrig, um einen Unfall zu verhindern. Kleien Schiffe wie der CHRISTOPH können aber auch heute schon selten großen Schiffen bei einer Havarie helfen, sie sind zu schwach und zu klein, um einen größeren Havaristen auf dem Rhein z.B. bei einer Lackage oder Anfahrung ans Ufer zu bugsieren.
Autocarrierer und andere Spezialschiffe
Neben Frachtern, Tankern und Containerschiffen gibt es noch eine Reihe von Schiffen, die speziell für einen besonderen Einsatzweck gebaut und optimiert wurden. Zum Beispiel Autocarrier für den Transport von Autos. Die Ford Werke in Köln transportieren mit mehreren Autocarrierern Neuwagen zu den Nordseehäfen und die WATRWAYS Schiffe laden Autos verschiedener Autofrimen von der Nordsse nach Duisburg und tiefer ins europäische Binnenland.
Schiffe, die für einen speziellen Einsatzzweck hergestellt werden, präsentieren wir Ihnen noch in weiteren Beiträgen auf unserer Webseite.





























