Ruhr

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Die Ruhr

Als Schifffahrtsweg hat die Ruhr heute keine große Bedeutung mehr.

Von Mülheim aus wird sie noch von den Schiffen der “Weißen Flotte” aus Mülheim befahren. Die Ausflugsschiffe verkehren zwischen Mülheim und dem Baldeneysee bei Essen. Auch kleine Sportboote sind noch häufig unterwegs.

Im 19. Jahrhundert hatte die Ruhr noch eine große Bedeutung als Wasserweg. Bevor die Kanäle zwischen Rhein und Ruhr gebaut wurden, war sie der wichtigste Transportweg zwischen Siegerland und Ruhrgebiet für die Beförderung von Erzen und anderen Rohstoffen und zum Transport von Kohle und Fertigprodukten der Eisen- und Stahlindustrie.

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Die Ruhrmündung in Duisburg-Ruhrort. Seit einigen Jahren steht dort diese Plastik, die eine Eisenbramme symbolisiert.

Von der Ruhrquelle bis zur Mündung

Die Ruhrquelle nordöstlich von Winterberg. Das Quellgebiet liegt bereits in der Rhein-Weser-Wasserscheide, denn weiter östlich entspringende Flüsse fließen nicht nach Westen, sondern beispielsweise wie die Orke nach Osten zur Eder.

Von der Quelle bis zur Mündung legt die Ruhr 217 Kilometer zurück. Von Winterberg fließt sie über Olsberg, Bestwig, Meschede und Arnsberg durch das Sauerland und erreicht bei Wickede den Haarstrang. Über Fröndenberg und Holzwickede fließt die Ruhr nördlich an Iserlohn vorbei nach Schwerte, wo sie das Industriegebiet an der Ruhr erreicht. Bei Hagen und Dortmund mündet die Lenne unterhalt der Hohensyburg in die Ruhr.

Hier mündet sie in den Hengsteysee, setzt den Weg über Herdecke und Wetter an der Ruhr fort. Zwischen Herdecke und Wetter speist sie den Harkortsee. Danach fließt sie über Witten und Bochum nach Hattingen. In diesem Abschnitte ist die Ruhr zum Kemnader Stausee aufgestaut. Der Kemnader Stausee ist der neueste Stausee an der Ruhr.

Zwischen Hattingen und der Pontonbrücke bei Bochum-Dahlhausen passiert sie ein Gebiet, in dem sowohl extreme niedrige Wasserstände von nur 30 Zentimetern, aber auch Hochwasser im Winter, Herbst und Frühjahr häufig sind. In Essen ist die Ruhr zum Baldeneysee, dem größten Stausee im westlichen Ruhrtal aufgestaut. Sie führt weiter nach Kettwig und speist hier den Kettwiger Stausee und fließt über die Wehranlagen des Wasserkraftwerkes in Kettwig weiter nach Mülheim an der Ruhr.

Zwischen Ickten, Mintard und Menden ist die Ruhr extrem schmal, aber für die Personenschifffahrt trotzdem bis Kettwig befahrbar. In Mülheim teilt sich die Ruhr. Sie mündet im Süden in den Nordhafen und setzt im Norden in einem Bogen ihren Weg über den Wasserbahnhof in Mülheim fort. Nach einem weiten Bogen des Nordarms vereinen sich die beiden Ruhrarme in Duisburg wieder.

Für die gewerbliche Schifffahrt ist der Mülheimer Hafen über den kanalartig ausgebauten Südarm der Ruhr erreichbar. Dieser Schifffahrtskanal beginnt bereits an der Ruhrschleuse in Duisburg Meiderich und endet an der Schleuse Mülheim Raffelberg. Der Schifffahrtskanal ist außerdem über die Meidericher Schleuse des Rhein-Herne-Kanals erreichbar. Unmittelbar hinter der Schleuse besteht ein kurzer Verbindungskanal zwischen dem Rhein-Herne-Kanal und der Ruhr.

Bei der Meidericher Ruhrschleuse passiert die Ruhr das Große Wehr und mündet gegenüber von Alt-Homberg bei Duisburg in den Rhein.

Auf dem Weg von der Quelle bis zur Mündung überwindet Ruhr einen Gefälleunterschied von 657 Meter. Die Quelle liegt 674 Meter über dem Meeresspiegel, die Mündung 17 Meter.

Die Ruhr als Schifffahrtsweg

Im Westen ist die Ruhr bis zum Mülheimer Hafen eine Bundeswasserstraße. Für diesen Abschnitt der Ruhr ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich zuständig. Weiter östlich ist sie bis Essen-Rellinghausen eine Landeswasserstraße. Für den östlichen Teil der Ruhr ist unter anderem der Ruhrverband als Wasseraufsichtsbehörde zuständig. Bis Essen ist die Ruhr für Schiffe mit einem Tiefgang bis maximal 1,70 Meter, 38 Meter Länge 5,20 Breite schiffbar und wird von der Personenschifffahrt der Weißen Flotte in Mülheim und Essen genutzt.

Voraussetzung für die Befahrbarkeit dieses Flußabschnittes ist jedoch ein normaler Wasserstand. Sowohl bei Niedrigwasser wie auch bei Hochwasser ist das Befahren der Ruhr mit Schiffen und Sportbooten verboten.

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Fahrgastschiff Freiherr von Stein unterhalb der Hohensyburg auf dem Baldeneysee

Östlich des Baldeneysees kann die Ruhr nur noch auf wenigen Streckenabschnitten befahren werden. Personenschiffahrt ist erst wieder in Witten und zwischen Harkortsee und Hengsteysee möglich. Die Stauseen zwischen Hagen und Kettwig werden für den Wassersport genutzt und von Fahrgastschiffen befahren.

Geschichte der Schifffahrt auf der Ruhr

Im 18. Jahrhundert wurde die Ruhr für den Abtransport von Kohle, Eisen und Fertigwaren und die Beförderung von Rohstoffen für die aufblühende Ruhrindustrie schiffbar gemacht. 1770 begannen Planungen der preußisches Regierung zum Ausbau Ruhr und ab 1774 wurde der Fluß schiffbar gemacht und mit Schleusen versehen. Von 1780 an war die Ruhr bis Langschede befahrbar.

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Die Ruhr bei Kettwig

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Transport auf der Ruhr zunehmend unrationell. Die kleinen Ruhrschiffe konnten nur wenig Ladung befördern und langsam fahren. Oft mußten die Schiffe getreidelt werden, d.h. sie wurden an Tauen von Pferden, die auf dem Leinpfad geführt wurden, gezogen. Niedrigwasser wie Hochwasser behinderten den Schiffsverkehr. Die Ruhrindustrie verlagerte sich jedoch schon ab 1850 weiter nach Norden und die Stollenzechen an der Ruhr hatten ihre Bedeutung schon vor der Revolution 1848 verloren. Mit dem Ausbau des Straßen- und Wegenetzes und dem Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn verlagerte sich der Verkehr auf Straßen und die Eisenbahn.

Die Ruhr als Namensgeber für das Ruhrgebiet

Die Ruhr hat dem Industriegebiet zwischen Ruhr und Emscher den Namen gegeben. Der größte Teil des Industriegebietes liegt jedoch nördlich der Ruhr. Die Industrialisierung des Gebietes nahm ihren Aufschwung, nachdem im Ruhrtal Kohle gefunden wurde. Wetter, wo Friedrich Harkort an der Burg seine Mechanische Werkstätte Harkort & Co. als erstes Werk der Stahlindustrie an der Ruhr gründete, gilt als Wiege der Ruhrindustrie.

Die Kohle wurde um 1800 in kleinen Stollenzechen im Ruhrtal abgebaut. Diese Entwicklung dokumentiert heute eindrucksvoll der bergbaugeschichtliche Rundwanderweg durch das Muttental bei Witten. Der Abbau von Kohle in Stollenzechen wurde aber schnell unrationell und beim Übergang zum Tiefbau verlagerte sich der Bergbau immer weiter nach Norden. Zechen mit Tiefbauschächten gab es zwar auch direkt im Ruhrtal (Friedlicher Nachbar in Bochum-Dahlhausen, Carl Funke in Essen am Baldeneysee) und südlich der Ruhr (Aurora in Hattingen, Prinz Heinrich in Essen-Kupferdreh). Die drei südlichsten Tiefbauzechen förderten in Sprockvövel ( Alte Haase, Deutschland, Stock und Scherenberg).

Weil die Flöze aber noch Norden immer mächtiger werden, verlagerte sich der Kohlenabbau nördlich der Ruhr und erreichte bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts die Emscherzone. Weitab von der Ruhr wurden im 19. Jahrhundert auch die meisten Stahlwerke, Gießereien und weiterverarbeitenden Betriebe gegründet.

Das Ruhrtal als grüne Lunge des Ruhrgebietes

Das Tal der Ruhr gehört neben der Haard im Norden heute zu den wichtigsten Ausflugs- und Naherholungsgebieten des Ruhrgebietes. Zwischen Hagen und Witten liegt das Ruhrtal am Rande des Ardeygebirges und entlang der Bundesstraße 234 türmen sich am Nordufer der Ruhr zwischen Herdecke und Herbede oft schroffe Felsen des Rheinischen Schiefergebirges.

Zwischen Hattingen und Kettwig prägen bewaldete Hügel das Bild des Ruhrtals und bei Mülheim weichen die letzten Hügel der typischen Landschaft der niederrheinischen Tiefebene. Beiderseits der Ruhr liegen weitläufige Waldgebiete und beliebte Ausflugsziele wie die Hohensyburg im Dortmunder Süden, Burg Blankenstein zwischen Bochum und Hattingen oder die Villa Hügel in Essen.

Ausflugs- und Rundfahrten mit den Schiffen der Weißen Flotte wurden bereits erwähnt. Natürlich wird überall entlang der Ruhr, Wassersport betrieben. Der Kemander Stausee entwickelte sich wegen seines dafür hervorragend geeigneten Wegenetzes zu einem beliebten Ziel für Inline-Skater.

Die Bedeutung der Ruhr für die Wasser- und Energieversorgung

Die größte Bedeutung hat die Ruhr heute für die Wasserversorgung. Die Kanäle des Ruhrgebiets werden in Zeiten normaler Niederschläge aus der Lippe gespeist. In niederschlagsarmen Zeiten wird zusätzlich Wasser aus der Ruhr und dem Rhein in die Kanäle gepumpt.

Bedeutsamer ist aber die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser für über fünf Millionen Menschen im und um das Ruhrgebiet wird aus der Ruhr gefördert. Dafür unterhält der Ruhrverband zahlreiche Wasserwerke im Ruhrtal.

Das Wasser der Ruhr wird ebenfalls für die Stromerzeugung in Wasserkraftwerken genutzt. Dazu dienen nicht nur Wasserkraftwerke, sondern auch der Durchfluß an Wehren, wie z.B. am Großen Wehr in Duisburg-Meiderich oder am Kettwiger Wehr wird zur Stromerzeugung genutzt. Das unter Denkmalschutz stehende Wasserkraftwerk Raffelberg in Mülheim gehört zu einem der bauhistorisch interessantesten Wasserwerken und arbeitet immer noch mit vier Francis-Turbinen aus der Bauzeit von 1924/25. In Herbede beweist die Firma Lohmann seit vielen Jahren, dass auch kleine Wasserkraftwerke sinnvoll sein können. Das Wasserkraftwerk wurde schon im 19. Jahrhundert errichtet, später erweitert und umgebaut und versorgt heute die benachbarten Fabrikanlagen der Firma Lohmann mit Strom.

Die Ruhr ist heute einer der saubersten Flüsse Deutschlands. Sie diente bereits im 19. Jahrhundert der Trinkwasserversorgung. Abwässer wurden überwiegend in die Emscher eingeleitet aber erst im 20. Jahrhundert wurde die Einleitung von Industrieabwässern abgebaut.

Kraftwerke an den Ruhrstauseen

Mit Ausnahme des Kemnader Sees werden an allen Stauseen im Ruhrgebiet Wasserkraftwerke mit Kaplanturbinen zur Stromerzeugung betrieben.

Kraftwerk / durchschnittliche Energiegewinnung pro Jahr in Mio. kWh

Hengsteysee 13,0
Stiftsmühle 7,5
Harkortsee 24,0
Baldeneysee 28,0
Kettwiger See 16,0

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Der Harkortsee. Im Hintergrund das Wasserkraftwerk.

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